Am Wochenende wird feste gefeiert

Von Fabian Nawrath   18.06.2009, 16:36

Aachen. «Wir hoffen, dass es nicht regnen wird» fasst Via-Integrations-Geschäftsführer Alois Poquett die Erwartungen für das geplante Sommerfest auf der Hofanlage Gut Hebscheid zusammen. Via-Integration ist der Trägerverein der die behindertengerechte Gut Hebscheid, Grüne Eiche 46, trägt.

Bei ausgelassener Stimmung kann das Sommerfest, das anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Hofes gefeiert wird, ein voller Erfolg werden. Am Samstag, 20. Juni, und am Sonntag, 21. Juni, steigt das Hoffest. Am Samstag beginnt es abends ab 18 Uhr. Die Live Rock-Band «Volle Lotte» wird ab 20.30 Uhr ein Open-Air-Konzert im Innenhof des Gutes geben.

Am Sonntag richtet sich das Angebot dann an Familien und Kinder. So gibt es eine Strohburg für den Nachwuchs. Barbara Plessmann, eine der Organisatorinnen des Festes, weiß aus Erfahrung, «dass sich dann auch immer gerne Erwachsene ins Stroh legen». Hofführungen und zahlreiche Aktivitäten für Knirpse, wie Ponyreiten und Schminken werden angeboten. Bio-Produkte vom Hebscheider Hof und anderen Höfen in der Region können probiert und auch gekauft werden.

Seit zehn Jahren ist die Via Integration auf der denkmalgeschützten Hofanlage Gut Hebscheid in Lichtenbusch beheimatet. In dieser Zeit hat der Verein, der von der WABe (Wohnung, Arbeit, Beratung) getragen wird, Arbeit, Ausbildung und Betreuung für Menschen mit psychischen Behinderungen geschaffen.

Mittlerweile ist Gut Hebscheid der größte landwirtschaftliche Ausbildungsbetrieb für Menschen mit Handicaps in der Region. Auf Gut Hebscheid will Alois Poquett für «einen normalen Umgang mit Menschen mit Behinderung eintreten und einen Platz für sie in unserer Gesellschaft einfordern.»

Auch für die nächsten zehn Jahre haben sich noch genug Pläne und Arbeit zur Verwirklichung angesammelt, um diesem Ziel gerecht zu werden.

So sollen Kräuter angebaut werden. Und Nutzgärten für Menschen aus der Stadt, die keinen eigenen Garten haben, sind geplant.

Bei der "Tomatenernte": Andreas Fischermann, Barbara Plessmann, Dietrich Roth und Alois Poquett

«JobPerspektive» soll 600 Arbeitsplätze schaffen

Von Nadine Jungblut   06.09.2008, 14:45

Aachen. Neue Perspektiven für Langzeitarbeitslose zeichnen sich mit der Aktion «JobPerspektive» ab. Im Rahmen des von der Bundesregierung beschlossenen Beschäftigungsprogramms sollen alleine in der Region Aachen 600 neue Arbeitsplätze entstehen.

Am Samstag überreichte Bundesministerin Ulla Schmidt die ersten dieser Verträge an zukünftige Arbeitnehmer auf Gut Hebscheid in Lichtenbusch. Zwei von ihnen, Jusuf Eglenovic und eine Namensvetterin der Ministerin, Ulla Schmidt, haben gleich hier, im Bereich Tierpflege und ökologischer Gartenbau, einen neuen Job gefunden.

In Kooperation mit der WABe und dem Tochterunternehmen VIA wurden diese und weitere Jobs, beispielsweise im Bereich Fahrrad-Recycling und im Sozialkaufhaus Stolberg, geschaffen.

Unterstützt werden alle im Rahmen der «JobPerspektive» angebotenen Arbeitsverhältnisse vom Bund. Der trägt bis zu 75 Prozent der Lohnkosten, die restlichen 25 Prozent der jeweilige Arbeitgeber. «So sind die Arbeitnehmer unabhängig von den Transferleistungen der ARGE», erklärt Stefan Graaf, Geschäftsführer der ARGE Kreis Aachen.

Eine weitere Veränderung: «Anders als bei Ein-Euro-Jobs sind die Beschäftigungsverhältnisse dauerhaft sozialversicherungspflichtig und tarifgebunden.» Der Verein WABe begrüßt das neue Programm ausdrücklich. «Vielen Menschen mit Vermittlungshemmnissen eröffnet das Projekt eine dauerhafte und langfristige Beschäftigung» freut sich Thomas Grise, Aufsichtsrat der WABe.

«Produktionswerkstatt» soll Arbeitsuchenden Perspektive geben

Von Mischa Wyboris |  21.07.2008, 14:19

Aachen. Die dümmsten Bauern ernten die dicksten Kartoffeln - auf Daniela Drawsz trifft das beileibe nicht zu. Die gelernte Hauswirtschaftshelferin hat ein Jahr lang Bewerbungen verschickt, jedoch ohne Erfolg. Jetzt hat sie endlich Arbeit gefunden und gerade die ersten Kartoffeln geerntet.

«Produktionswerkstatt» nennt sich das Projekt der Arge im Kreis Aachen in Zusammenarbeit mit dem gemeinnützigen Verein Wa-be als Generalunternehmer und der Caritas-Werkstatt für behinderte Menschen sowie der QualiTec GmbH als Partner. «Wir widerlegen das ClichŽ, dass Hartz-IV-Empfänger nicht arbeiten können oder wollen», sagt Wabe-Chef Alois Poquett über die Maßnahme, die zunächst bis Ende 2010 gefördert wird.

Jugendliche und junge Erwachsene, die Arbeitslosengeld II von der Arge beziehen, können bereits seit März in drei Bereichen «erleben, wie wertvoll sie sind», so Poquett. «Sie haben eine Aufgabe, nette Kollegen und wieder eine Tagesstruktur.» Neben der Arbeit bei QualiTec und im neu gegründeten Sozialkaufhaus in Stolberg ist der ökologische Landbau auf Gut Hebscheid die dritte Möglichkeit für Arbeitsuchende, «ohne Sanktionsdruck den Wert ihrer Arbeit kundzutun», so Kurt Rieder, Projektkoordinator der Arge. «Die Teilnehmer arbeiten hier nicht für den Müllkorb oder die Vitrine.»

Menschen, die Qualifizierungsmaßnahmen besucht und auch nach einer längeren Bewerbungsphase keine Arbeit gefunden haben, gebe es viele. Die Warteliste für die «Produktionswerkstatt» sei entsprechend lang - im Kreis Aachen handle es sich um rund 1000 Anwärter. Derzeit umfasst das Projekt rund 50 Teilnehmer in allen drei Bereichen, elf von ihnen im ökologischen Landbau. Die Teilnehmerzahl soll künftig allerdings erweitert werden.

«Unsere kleine Vision ist es, hier Arbeitsverhältnisse zu entwickeln, die wir mit bis zu 75 Prozent Bundesmitteln unterstützen können», sagt Stefan Graaf, Geschäftsführer der Arge im Kreis Aachen. Auf der Basis von 1-Euro-Jobs helfen die Teilnehmer auf Gut Hebscheid auf dem rund 1000 Quadratmeter großen Acker bei der Kartoffelernte, versorgen Tiere, legen Beete an, pflastern Wege und ernten Tomaten im Foliengewächshaus, erklärt Leiterin Barbara Plessmann und ist «überrascht, wie sehr sich alle hier einbringen und einsetzen». Die geernteten Kartoffeln und Tomaten werden im Stolberger Sozialkaufhaus an Bedürftige verkauft.

Für Katrin Bauermeister, Projektkoordinatorin der Wabe, ist es entscheidend, dass die Teilnehmer erstmals längerfristig beschäftigt und «nicht mehr kurzfristig von einem Qualifizierungsangebot in das nächste geschoben» werden. So können sie sich «in Ruhe integrieren, soziale Verbindungen knüpfen und mit dieser persönlichen Stabilität wieder woanders bewerben», sagt Rieder.

«Man pflanzt etwas ein und weiß mit gutem Gewissen, was draus wird», sagt Daniela Drawsz über ihre Arbeit, die sie seit Mai auf Gut Hebscheid verrichtet. Im übertragenen Sinne dürfte das auch die Meinung der Projektleiter sein.